Spielbericht
der 2. Runde der Oberliga.
SG Gmünd - SF Stuttgart 2 3,5 : 4,5 (vom 26.10.2003) von Frank Zeller, Tuebingen |
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"Knappe Niederlage im ersten Heimspiel " "Schlechte" Läufer schlagen zu - Zwei Patzer zuviel " |
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Das erste
Heimspiel für unsere Erste verlief enttäuschend. Gegen Stuttgart II
verlor man knapp und zu guter Letzt etwas unglücklich 3,5:4,5. Vom
Spielverlauf her ging die Niederlage aber in Ordnung. Bis auf zwei überzeugende
Einzelleistungen erwischten die Gmünder Mannen einen schlechten Tag. Die
Stuttgarter kamen zwar als Tabellenführer in die Stauferstadt, dennoch
sahen wir Hausherren uns eigentlich als Favoriten an. Es zeigte sich
aber, daß die Oberliga dieses Jahr hart umkämpft sein wird und
zwischen Spitze und Abstiegsbereich für jede Mannschaft alles drinn
sein kann. Bei so einem
knappen Ergebnis zählt jeder halbe Punkt. Entscheidend waren letztlich
die „Geschenke“, die wir an den ersten beiden Brettern verteilten.
Fochtler und mir unterliefen jeweils haarsträubende „Einsteller“ in
als ausgeglichen einzustufenden Situationen. Mir selbst muß ich die größten Vowürfe machen.. Ich hatte mich zu sehr in die Zeitnot treiben lassen und die Kontrolle verloren. Von daher kam es nicht von ungefähr, daß einmal die Hand schneller war als der Kopf und mein impulsiver Zug sofort verlor. Doch erstmal der Reihe nach... Unsere Matadore Pohl und Roth beendeten als erste ihre Partien mit Remis. Das durfte als Erfolg für uns eingestuft werden, denn noch kurz zuvor standen beide leicht kritisch. Lothar sah sich im Endspiel dem Läuferpaar gegegenüber und Walter war entgegen seiner Art in einer festen, aber passiven Stellung gelandet: Robert
Gabriel - Pohl Eigentlich hat Schwarz die Eröffnungsphase mit Tschigorins Verteidigung problemlos überstanden, und dennoch fühlt er ein leichtes Unwohlsein – wegen des Springers auf c6! Deshalb entkorkte Walter hier 10. ...Sb8!? mit Regruppierung und erhielt in der Folge eine typische Caro-Kann-Stellung. Statt stillzuhalten verschärfte er später, Gabriel fand nicht den besten Weg und es wurde unklar: Hier war 30. ...Te6!? ein Versuch, auf „Mehr“ zu spielen. Nach 30. ...Df6 allerdings zogen beide die Handbremse und schüttelten nach 31.Df5 Dh6 32.Dh5 Df6 33.Df5 die Hände.
Wie schlecht
ist der „schlechte Läufer“? In vier der restlichen sechs Partien stand die Maroczy-Formation im Mittelpunkt, bei der Weiß mit den Bauern auf e4 und c4 einen Raumvorteil reklamiertee, während die Schwarzen sich in unterschiedlichen Formen „einigelte“. Dabei kam Schwraz nicht gut weg: nur ein halbes Pünktchen von vier erzielte der Nachziehende. Leider waren in drei von den vier Partien Gmünder auf der schwarzen Seite! Dem weißfeldrigen Läufer auf weißer Seite eilt der Verdacht voraus, ein „Schlechter“ zu sein, da er zunächst als Bewacher der Bauern e4 und c4 fungiert. Daß dieses ein oberflächliches Urteil ist demonstierte Holger Albrecht mit einer souveränen Positionspartie: Albrecht -
Haas
Es folgte 36. ...f6 37.e:f6+ S:f6 38.h3 (!, bringt Schwarz in Zugzwang) ...Se8 39.Ke5! Sf6 40.c6 Se8 und Schwarz überschritt die Zeit, allerdings steht er nach 41.Tb7 auf verlorenem Posten. Eine durch ihre logische „Einfachkeit“ und Folgerichtigkeit bestechende Partieführung unseres Weltenbummlers! Durchaus Ähnlichkeiten wies die Materialverteilung in meiner Partie auf: Fritsch -
Zeller Hier bot Fritsch remis an. Die schwarze Stellung ist sehr fest, aber für Schwarz ist es wie oft in Igelstellungen kaum möglich, auf Gewinn zu spielen, wenn Weiß nicht überspannt. Es ist gerade die Anwesenheit des „schlechten“ Läufers auf f1, der seine Bauern zuverlässig deckt und zudem meine „Ausbüchsversuche“ b5 und d5 verhindert – also so ne Art „Remisgarantie“ für Weiß! Hier machte ich wohl meinen größten Fehler, als ich zu lange über diese Offerte nachdachte, mir nur noch 20 Minuten für 20 Züge blieben und ich dennoch ablehnte! Der Grund: zum einen schien gerade der Kampf prekär für uns zu werden, zudem wollte ich die Partie ausspielen, und – insgeheim hoffte ich noch auf die Chance, ein Spiel „guter Springer gegen schlechten Läufer“ zu bekommen!!! Währenddessen standen unsere zwei „Igelspieler“ Andreas Weiß und Alexander Stuhl auf schwierigem Posten. Bei beiden hatte sich nach der Eröffnung über verschiedene Wege dieselbe Stellung ergeben:
Unseren Neuzugang Alexander schein ich aber mit einem gefährlichen Virus infiziert zu haben: dem Igelvirus! Zuweilen treibt das übermäßige Vertrauen in die Spielbarkeit des Igels bei jungen Spielern, die mit den Gefahren der Spielweise noch nicht so vertraut sind, überkreative Blüten. Und die sind nicht mehr gutzuheißen. Sein Versuch, in der Diagrammstellung mit ...h5?! am Königsflügel initiativ zu werden, mit der Idee, später noch ...g5 folgen zu lassen, wurde im Keim erstickt. Sein verzweifeltes Damenopfer in bereits unerfreulicher Lage führte nurmehr zum raschen Untergang. Eine weitere bittere Pille für die Hausherren war das Malheur, das Esche Fochtler in leicht bedrängter Lage wiederfuhr: statt sich trickreich aus der Fesselung zu befreien und gleiche Chancen erreichen zu können unterlief ihm ein Rechenfehler und plötzlich war die Figur weg (siehe dazu die Partienauswahl). Die Sonne scheinte, aber die Waage schien sich also bei Eintritt der Zeitnotphase zugunsten der Stuttgarter zu neigen. Doch da war noch Paschalis Tsolakidis. Der spielte wieder eine Partie „außer Rand und Band“, setzte nach kreativer Eröffnungsbehandlung plötzlich zum Opferangriff an. Mit einem Turm weniger verstrickte er Josef Gabriel in ein dichtes Mattnetz. Das beste daran: alles war nicht nur schön anzusehen, sondern auch höchst korrekt! Eine Prachtpartie, die als „Partie des Tages“ kommentiert wird. Ein neutraler Beobachter hätte nach 3 Stunden 50 Minuten konstatieren können, daß es an sieben Brettern zu einem 3,5:3,5 tendiert. Somit kam dem Zeitnotduell an meinem Brett besondere Bedeutung zu, denn in die ausgewogene Partie war Bewegung gekommen. Die entscheidende Phase dieser Partie und damit dem Mannschaftskampf siehe unter Partien! Nach meinem groben Schnitzer waren jedenfalls beide
Mannschaftspunkte weg und Stuttgart ist zudem noch alleiniger Tabellenführer... |
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| Anbei die Höhepunkte des Spieltages... | |